/goal in Claude Code: ein Ziel statt 100 Prompts
Das baust du
Du gibst Claude eine Aufgabe wie einem guten Mitarbeiter: „Fertig ist es, wenn alle Rechnungen sortiert im Jahresordner liegen.“ Danach arbeitet Claude Runde für Runde allein weiter und hört erst auf, wenn ein zweites Modell bestätigt, dass das Ziel erreicht ist. Das Herzstück ist die Ziel-Formel in Schritt 6, an der sich entscheidet, ob /goal glänzt oder im Kreis läuft. Dazu drei Use Cases zum Nachbauen, bis hin zum Loopsystem mit eigenem Executor.
So funktioniert /goal
Normalerweise arbeitest du in Häppchen: Du promptest, Claude antwortet, du prüfst, du promptest wieder. Bei großen Aufgaben wird genau das Hin und Her zum Engpass. /goal dreht das um. Du beschreibst nur den Endzustand, dann läuft eine Schleife:
- Claude arbeitet eine komplette Runde an der Aufgabe: plant, erstellt Dateien, führt Schritte aus.
- Nach der Runde prüft ein zweites, unabhängiges Modell (ein kleines, schnelles) den Verlauf: Ist das Fertig-Kriterium erfüllt? Es antwortet mit Ja oder Nein plus einer kurzen Begründung.
- Bei Nein startet sofort die nächste Runde. Claude nimmt die Begründung als Hinweis, was noch fehlt.
- Bei Ja stoppt die Schleife, das Ziel wird abgehakt und du bekommst die Kontrolle zurück.
Wie ein Handwerker-Auftrag mit Abnahme: Der Handwerker arbeitet, ein unabhängiger Bauleiter schaut nach jedem Abschnitt drauf und sagt „noch nicht“ oder „abgenommen“. Es prüft nie derselbe, der gearbeitet hat.
Klassisches Prompten vs. /goal
Code-Tab öffnen
Starte die Claude-Desktop-App und klick oben auf Code.
Tippe zum Test /goal ins Eingabefeld. Erscheint der Befehl in der Vorschlagsliste, ist alles bereit. Erscheint ein Hinweis, sagt dir Claude Code direkt dort, woran es liegt (zum Beispiel veraltete Version oder Ordner-Zugriff noch nicht bestätigt).
Projektordner wählen
Wähle den Ordner, in dem gearbeitet werden soll, zum Beispiel den Ordner mit deinen Rechnungen oder deinem Website-Projekt, und bestätige den Zugriff. Für den ersten Test legst du am besten einen eigenen Übungsordner an.
Auto-Modus einschalten
Neben dem Senden-Button sitzt die Modus-Auswahl. Wähle dort Auto.
Im Auto-Modus laufen Arbeitsschritte ohne ständige Einzel-Nachfragen durch. Im Hintergrund prüft trotzdem eine Sicherheitsebene jede Aktion und blockiert Riskantes, etwa Löschen außerhalb des Projekts. Ohne Auto-Modus fragt Claude vor bestimmten Befehlen nach, und die Schleife wartet auf dich.
Ziel setzen
Tippe /goal, dahinter dein Ziel, und schick es ab. Die Schleife startet sofort, ein zusätzlicher Prompt ist nicht nötig. Solange das Ziel aktiv ist, zeigt eine Anzeige, wie lange es schon läuft.
Dein erster Testlauf im Übungsordner:
/goal Im Ordner liegt eine Datei ideen.md mit 10 nummerierten Content-Ideen zum Thema "KI im Alltag", jede mit einem Satz Beschreibung. Beweis: Zeige am Ende den Inhalt der Datei. Stoppe spätestens nach 5 Turns.
Kontrolle behalten
/goalohne Text zeigt den Status: das Ziel, die bisherigen Runden, den Verbrauch und die letzte Begründung des Prüf-Modells./goal clearbricht sofort ab.- Ein neues
/goal …ersetzt das alte. Es läuft immer nur ein Ziel gleichzeitig.
Das perfekte Ziel formulieren
Ob /goal brillant oder frustrierend ist, entscheidet sich fast nur hier. Das Prüf-Modell führt selbst nichts aus und öffnet keine Dateien. Es liest nur den Gesprächsverlauf. Claude muss den Beweis also sichtbar in den Verlauf bringen. Ein Ziel, das zuverlässig funktioniert, hat vier Bausteine:
- Messbarer Endzustand: Was ist am Ende wahr? Eine Dateianzahl, ein leerer Ordner, ein fehlerfreier Testlauf. Etwas, das man eindeutig mit Ja oder Nein beantworten kann.
- Beweis: Womit zeigt Claude, dass es stimmt? Eine Liste ausgeben, ein Prüfskript laufen lassen, ein Testergebnis zeigen.
- Grenzen: Was darf sich nicht ändern? „Lösche nichts“, „ändere keine Dateiinhalte“, „nur in diesem Unterordner“.
- Turn-Limit: „Stoppe spätestens nach 20 Turns.“ Deine Notbremse gegen Endlos-Schleifen, und sie schont dein Kontingent.
Platz hast du genug: bis zu 4.000 Zeichen pro Ziel.
/goal [ENDZUSTAND: Was ist am Ende wahr?]. Beweis: [Womit zeigt Claude, dass es stimmt, z. B. ein Testlauf, eine Dateiliste, ein Prüfskript?]. [GRENZEN: Was darf sich dabei nicht ändern?]. Stoppe spätestens nach [N] Turns.
Weiche Ziele vs. messbare Ziele
Use Case 1: Rechnungs-Chaos aufräumen
Ein Ordner voller PDFs mit Namen wie scan_final_2.pdf oder Rechnung(3).pdf. Claude Code öffnet die PDFs, liest Firma und Datum heraus, benennt die Dateien einheitlich um und sortiert sie in Jahresordner. Das Fertig-Kriterium ist herrlich eindeutig: Der Eingangsordner ist leer.
Selbst prüfen: Öffne danach 3 bis 4 Dateien und check, ob Firma und Monat im neuen Namen stimmen. Die uebersicht.md zeigt dir auf einen Blick, welche alte Datei zu welchem neuen Namen wurde.
/goal Alle PDF-Rechnungen im Ordner "Eingang" sind nach dem Schema JJJJ-MM_Firmenname.pdf umbenannt und in Jahresordner (z. B. 2025, 2026) verschoben. Beweis: Der Ordner "Eingang" ist leer und im Hauptordner liegt eine uebersicht.md mit alter und neuer Bezeichnung jeder Datei. Ändere keine Dateiinhalte und lösche nichts. Stoppe spätestens nach 15 Turns.
Use Case 2: Landingpage, bis sie fertig ist
Mit /goal liefert Claude nicht die erste Version ab, sondern baut, prüft und bessert nach, bis ein Prüfskript objektiv bestätigt, dass alles da ist. Das Prüfskript schreibt Claude selbst. Sein fehlerfreier Durchlauf ist der Beweis, den das Prüf-Modell sehen will.
/goal Im Ordner liegt eine fertige einseitige Landingpage: index.html mit den Sektionen Hero, Vorteile, Über mich, FAQ und Kontakt, komplett auf Deutsch, responsiv und ausschließlich mit echten, fertig formulierten Texten. Beweis: Ein von dir geschriebenes Prüfskript läuft fehlerfrei durch und bestätigt, dass alle 5 Sektionen existieren und alle internen Links ein Ziel haben. Stoppe spätestens nach 20 Turns.
Use Case 3: das Loopsystem mit Executor
Die stärkste Variante ist ein Rollen-Split: Das Hauptgespräch bleibt Planer und Kontrolleur, die eigentliche Arbeit erledigt ein Executor-Subagent. Ein Subagent ist ein Mini-Claude mit eigenem Gedächtnis für die Aufgabe und eigener Arbeitsanweisung, den das Hauptgespräch pro Aufgabe losschickt. Der Hauptverlauf bleibt übersichtlich, und wer prüft und abhakt, ist nicht derselbe, der ausgeführt hat.
Executor einrichten (einmalig, 2 Minuten):
- Die Datei
executor.mdvon der Guide-Seite herunterladen oder Claude im Code-Tab bitten, sie nach der Beschreibung anzulegen. Am schnellsten geht das mit dem Prompt darunter. - Im Projektordner liegt sie dann im Unterordner
.claude/agents/. Soll der Executor in allen Projekten verfügbar sein, kommt sie stattdessen in~/.claude/agents/in deinem Benutzerordner. - Findet Claude den Subagent danach nicht: Claude Code einmal neu starten, dann ist er da.
Lege im Projektordner die Datei .claude/agents/executor.md an, mit genau diesem Inhalt: --- name: executor description: Führt genau eine klar umrissene Aufgabe aus der Aufgabenliste aus und meldet das Ergebnis kompakt zurück. Wird vom Hauptgespräch pro Aufgabe losgeschickt. --- Du bist der Executor. Regeln: 1. Du bearbeitest pro Einsatz genau eine Aufgabe. 2. Du erledigst sie vollständig, bevor du zurückmeldest. 3. Du erfindest nichts dazu und änderst nichts außerhalb der Aufgabe. 4. Am Ende meldest du kompakt: was du getan hast, welche Dateien entstanden oder geändert sind und wie man das Ergebnis prüfen kann. Zeig mir danach den Inhalt der Datei.
Der Loop: planen, delegieren, prüfen
Leg eine Datei aufgaben.md mit deiner Aufgabenliste an: eine Aufgabe pro Zeile, mit [ ] davor. Dann startest du das Ziel darunter.
Drei Kontrollebenen greifen ineinander: Der Executor arbeitet, das Hauptgespräch prüft jedes Teilergebnis, und das Prüf-Modell von /goal entscheidet unabhängig, ob das Gesamtziel erreicht ist. Jedes [x] ist ein sichtbarer Haken im Verlauf.
Selbst prüfen: Steht nach dem Lauf hinter jeder Aufgabe ein [x] und liegt zu jeder ein Ergebnis im Ordner? Hängt eine Aufgabe, findest du im Verlauf die Rückmeldung des Executors, woran es lag.
/goal Alle Aufgaben in aufgaben.md sind erledigt und mit [x] abgehakt. Ablauf: Erstelle zuerst einen kurzen Plan, delegiere dann jede Aufgabe einzeln an den Subagent "executor" und prüfe jedes Ergebnis selbst nach, bevor du die Aufgabe abhakst. Beweis: aufgaben.md enthält keine offene Aufgabe mehr und pro Aufgabe liegt ein Ergebnis im Projektordner. Stoppe spätestens nach 30 Turns.
Quick Reference
- /goal [dein Ziel]Startet die Schleife sofort. Ein neues Ziel ersetzt das alte.
- /goal (ohne Text)Status: Ziel, Runden, Verbrauch, letzte Prüf-Begründung.
- /goal clearBricht die Schleife sofort ab.
- Messbarer EndzustandEin Kriterium, das eindeutig mit Ja oder Nein prüfbar ist.
- Beweis einbauenDas Prüf-Modell sieht nur, was Claude im Verlauf zeigt.
- Turn-Limit„Stoppe spätestens nach N Turns“ als Notbremse ins Ziel schreiben.
- Auto-ModusModus-Auswahl neben dem Senden-Button.
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