Loop Engineering: hör auf zu prompten, bau Schleifen
Das baust du
Statt Claude immer wieder von Hand zu prompten, baust du Loops: Du gibst ein Ziel vor, und Claude findet die Arbeit, erledigt sie, prüft sie, merkt sich, wann es fertig war, und macht weiter, bis es wirklich erledigt ist. Du bekommst die zwei Befehle, die einen Loop in Claude Code starten (/goal und /loop), die fünf Bausteine von Automatisierung bis Subagents und einen fertigen Loop-Charter zum Kopieren.
Was ein Loop ist
Der Typ, der Claude Code bei Anthropic leitet, hat gesagt, dass er keine Prompts mehr schreibt und sein ganzer Job darin besteht, Loops zu schreiben. Das Problem beim Prompten: Du steckst in einem ständigen Hin und Her fest und musst deinen Agenten die ganze Zeit an die Hand nehmen. Ein Loop ist ein System, das den Agenten für dich promptet. Jeder Loop läuft im selben Zyklus:
- Arbeit finden: offene Punkte in einer Liste, fehlgeschlagene Tests, unbeantwortete Mails.
- Arbeit erledigen: ein Punkt nach dem anderen, so wie du es sonst von Hand angewiesen hättest.
- Sich selbst prüfen: Ein Kontrollschritt entscheidet, ob die Arbeit wirklich erledigt und korrekt ist.
- Sich erinnern: Der Loop schreibt auf, was fertig ist, damit er nichts doppelt macht.
- Weitermachen: bis nichts mehr offen ist. Dann stoppt er oder meldet sich bei dir.
Der Denkwechsel: Prompten ist eine Anweisung, ein Ergebnis. Loop Engineering heißt, das System zu entwerfen, das die Anweisungen gibt.
Claude Code öffnen
Die echten Loops laufen in Claude Code, nicht im normalen Chat. „Mach das in einer Schleife“ in einen Chat zu tippen reicht nicht.
- Öffne die Claude-Desktop-App und klick oben auf den Reiter Code.
- Wähle den Ordner, in dem der Loop arbeiten soll. Bei der Frage, ob du dem Ordner vertraust, bestätigst du.
- Tipp im Eingabefeld
/. Es erscheint eine Liste mit Befehlen. Wenn dort/goalund/loopstehen, bist du startklar.
/goal: arbeiten, bis es fertig ist
Du tippst /goal und dahinter, wie „fertig“ konkret aussieht. Claude arbeitet dann Runde für Runde von allein. Nach jeder Runde prüft ein zweites KI-Modell, ob das Ziel erreicht ist. Wenn nicht, macht Claude weiter. Ist das Ziel erfüllt, stoppt der Loop von selbst.
/goalohne Text zeigt dir, wie weit der Loop ist./goal clearbricht ihn ab.- Damit Claude nicht bei jedem Schritt um Erlaubnis fragt, stell im Modus-Auswahlfeld neben dem Senden-Knopf auf „Auto“. Lass es auf „Manual“, solange du dem Loop noch zuschauen willst.
Das Beispiel funktioniert, weil das Ziel messbar ist: Claude zählt die Zeichen, sieht „noch zu lang“, korrigiert und geht erst weiter, wenn die Hürde geschafft ist. Du tippst kein einziges Mal „versuch’s nochmal“.
/goal Jeder Blogpost im Ordner /posts hat eine Meta-Beschreibung unter 160 Zeichen und einen Titel unter 60 Zeichen. Gib nach jeder Datei die Zeichenzahl aus, damit ich es bestätigen kann, und fass den Fließtext nicht an. Stopp, wenn jede Datei besteht, oder nach 25 Dateien.
/loop: sich von selbst wiederholen
Du tippst /loop mit dem Takt und der Aufgabe. 30m heißt alle 30 Minuten, 2h alle zwei Stunden. Lässt du den Takt weg, wählt Claude selbst, wann es wieder nachschaut.
- Mit der Esc-Taste stoppst du einen Loop, der auf seinen nächsten Lauf wartet.
/loopläuft nur, solange die Sitzung offen ist, und hört nach spätestens sieben Tagen auf.
Merksatz: /goal, wenn es eine Ziellinie gibt. /loop, wenn es nur einen Rhythmus gibt. Die meisten starken Loops beginnen mit /goal.
/loop 30m Prüfe, ob meine Live-Website wieder erreichbar ist, indem du die Startseite lädst. Sobald sie eine normale Seite zurückgibt, sag mir Bescheid und hör auf zu prüfen.
Die fünf Bausteine einrichten
Das Ganze läuft in Claude Code und besteht aus fünf Bausteinen.
1. Automatisierung, damit alles von allein läuft, statt nur auf Befehl. Das Einfachste ist /loop. Für Loops, die auch laufen sollen, wenn keine Sitzung offen ist: Im Reiter Code links auf Routines, dann New routine, „Local“ wählen, Anweisung (zum Beispiel deinen Loop-Charter), Ordner und Zeitplan eintragen. Oder sag Claude einfach: „Richte mir eine Aufgabe ein, die jeden Morgen um 9 Uhr …“. Lokale Aufgaben laufen nur, wenn die App offen und der Rechner wach ist.
2. Worktrees, damit zwei Agenten, die gleichzeitig arbeiten, sich nicht in die Quere kommen. Ein Worktree ist eine eigene Arbeitskopie deines Projekts. Sag in Claude Code: „Mach das in einem separaten Worktree.“ Bei Routines gibt es dafür einen Schalter. Setzt voraus, dass dein Ordner mit Git versioniert ist. Git ist ein kostenloses Programm, das jede Version deiner Dateien speichert. Sag Claude dafür einfach: „Richte Git in diesem Ordner ein.“ Arbeitest du nur mit einem Agenten, überspringst du das am Anfang.
3. Skills, damit du nicht jedes Mal dein Projekt neu erklärst. Eine Skill ist eine Textdatei mit deinem Projektwissen, deinen Regeln und Formaten. Sie liegt im Ordner .claude/skills/. Erklär Claude dein Projekt einmal und schick dann den Skill-Prompt unten.
4. Connectors, damit der Loop wirklich deine Tools bedienen kann: Mail, Kalender, Google Drive, Aufgaben-Tracker. Ohne sie arbeitet ein Loop nur an Dateien in deinem Ordner. In der Desktop-App fügst du sie unter Customize, Connectors hinzu. Dann kann „Arbeit finden“ auch „lies meinen Posteingang“ heißen.
5. Subagents, damit der, der die Arbeit macht, nicht derselbe ist, der sie prüft und bewertet. Subagents sind eigene Agenten im Ordner .claude/agents/: Ein Bau-Agent erledigt die Aufgabe, ein Prüf-Agent kontrolliert sie unabhängig. Der Subagent-Prompt unten legt dir den Prüfer an.
Mach aus allem, was ich gerade über dieses Projekt erklärt habe, eine Skill-Datei. Leg sie unter .claude/skills/projektwissen/SKILL.md an, mit einer kurzen Beschreibung oben, wann sie gebraucht wird. Zeig mir danach den Inhalt, damit ich ihn prüfen kann.
Prüf-Agent anlegen
Leg mir in diesem Projekt einen Prüf-Agenten unter .claude/agents/pruefer.md an. Seine einzige Aufgabe: die Arbeit eines anderen Agenten unabhängig kontrollieren und mit Begründung bestehen oder durchfallen lassen. Er ändert selbst nichts an Dateien. Nutze ihn ab jetzt in jedem Loop für den Schritt "Wie du dich selbst prüfst".
Ein echtes Beispiel: das selbstprüfende Recherche-Briefing
Du bittest Claude um ein einseitiges Briefing zu einem Thema. Das ist die Aufgabe. Das Ziel, der Teil, der es zum Loop macht, ist eine messbare Hürde: Jede Aussage hat mindestens drei Quellen, und jeder Link öffnet wirklich eine Seite, die belegt, was dort steht.
Ohne Loop liefert KI hier gern ein sauber aussehendes Briefing mit Quellen, die echt klingen, aber nicht existieren. Mit Loop öffnet Claude jede Quelle, wirft erfundene raus, sucht echten Ersatz und prüft weiter, bis jede Quelle besteht.
Der Punkt, an dem es meistens hakt: Dein Ziel muss etwas sein, gegen das Claude sich selbst benoten kann: echte Zahlen, ein Prozentwert, eine Checkliste. „Mach es gut“ gibt ihm nichts zum Prüfen, dann stoppt er wie ein normaler Prompt.
/goal Schreib ein einseitiges Briefing zu [dein Thema], bei dem jede Aussage mindestens drei Quellen hat und jeder Link wirklich eine Seite öffnet, die die Aussage stützt. Öffne jeden Link zur Bestätigung, bevor du es als fertig bezeichnest. Ersetze jede Quelle, die tot ist oder die Aussage nicht belegt. Stopp erst, wenn jede Quelle auf der Seite besteht.
Dein erster großer Loop: der Loop-Charter
Der Charter ist eine Art Dienstanweisung: wo die Arbeit liegt, wie der Loop sich prüft, wie er sich erinnert und wann er stoppt.
- Kopiere den Charter und füll die eckigen Klammern aus. Bei [N] fängst du klein an, zum Beispiel mit 5.
- Füge ihn in Claude Code ein. Für einen Loop bis zum Ziel schreib
/goalund ein Leerzeichen davor. - Lass ihn einmal laufen und schau dabei zu. Sobald du ihm vertraust, gib ihm über Routines einen Zeitplan.
Warum die Status-Datei zählt: LOOP-STATE.md verwandelt zehn einzelne Läufe in einen durchgehenden Mitarbeiter. Ohne sie startet jeder Lauf bei null. Mit ihr macht der Loop immer genau dort weiter, wo er aufgehört hat.
Du läufst als Loop, nicht als einzelne Antwort. Hier ist dein Auftrag (Charter): ZIEL [Beschreibe den fertigen Zustand in ein, zwei Sätzen. Beispiel: "Jede Produktseite in /seiten hat aktualisierte Preise und besteht den Link-Check." Sei konkret, wie FERTIG aussieht.] WO DIE ARBEIT LIEGT [Sag, wo die Arbeit zu finden ist. Beispiele: "Durchsuche /seiten nach Dateien mit alten Preisen." / "Lies AUFGABEN.md und behandle jeden nicht abgehakten Punkt als Aufgabe." / "Prüfe mein verbundenes Aufgaben-Board auf Einträge mit dem Label 'ki'."] WIE DU ARBEITEST - Bearbeite IMMER nur einen Punkt. Schließe ihn vollständig ab, bevor du den nächsten beginnst. - Halte dich an die Konventionen in vorhandenen Dateien. Übernimm den Stil, erfinde keine neuen Muster. - Verlangt ein Punkt eine Entscheidung, die nur ich treffen kann (Geld ausgeben, etwas löschen, jemanden kontaktieren): STOPP bei diesem Punkt, schreib ihn auf eine Liste "braucht meine Entscheidung" und geh zum nächsten Punkt. WIE DU DICH SELBST PRÜFST Prüfe jeden Punkt, bevor du ihn als erledigt markierst: [Wähle, was passt: "führe die Tests aus" / "lies die Datei erneut und bestätige, dass sie das Ziel erfüllt" / "mach einen Screenshot und bestätige, dass es richtig aussieht." Prüfen heißt Beweis, nicht Zuversicht.] Schlägt die Prüfung fehl, behebe es und prüfe erneut. Maximal 3 Versuche pro Punkt, danach als blockiert protokollieren und weiter. WIE DU DICH ERINNERST Führe eine Datei namens LOOP-STATE.md. Aktualisiere sie nach jedem Punkt mit: Name des Punkts, Status (erledigt / blockiert / braucht mich), was du geändert hast und alles, was der nächste Lauf wissen muss. Lies diese Datei ZUERST zu Beginn jedes Laufs, damit du nie erledigte Arbeit wiederholst. WANN DU STOPPST Stopp, wenn: (a) jeder Punkt erledigt oder als blockiert protokolliert ist, oder (b) du in diesem Lauf [N] Punkte abgeschlossen hast. Gib mir dann einen kurzen Bericht: was erledigt wurde, was blockiert ist, was meine Entscheidung braucht. Beginne damit, LOOP-STATE.md zu lesen, falls vorhanden, dann finde die Arbeit.
Häufige Fragen
Brauche ich Programmierkenntnisse?
Nein. Du schreibst Ziele und den Charter in normaler Sprache. Claude legt Skills, Agenten und Aufgaben selbst an, wenn du ihn darum bittest.
Geht das auch im normalen Claude-Chat?
Nein. Die Befehle /goal und /loop gibt es in Claude Code, also im Reiter „Code“ der Desktop-App.
Was ist der Unterschied zwischen /loop und Routines?
/loop läuft nur in der offenen Sitzung. Routines laufen nach Zeitplan, auch wenn keine Sitzung offen ist.
Danke! Magst du kurz sagen, was am meisten geholfen hat? (optional)
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